Freitag, 12. September 2014

#6: domani.

Morgen.


Gestern noch habe ich eine Mail von der wunderbaren Sapienza bekommen. Es geht um die italienische Steuernummer - den Codice Fiscale. Ich habe ehrlich gesagt vor nichts mehr Angst, als vor diesen Behördengang. Auch die chaotische Website der Agenzia delle Entrate nimmt mir meine Angst nicht. Nun ich weiß zumindest, dass sich dieses Gebäude auf der via Cristoforo Colombo befindet: Ein großer Fortschritt. Ich habe auch einen Vordruck gefunden und erfahren, dass ich eine Kopie meines Ausweises brauche. 
Wozu eine Steuernummer?

Fürs Überleben.

Ja, richtig gelesen. Für Alles in Italien braucht man diese Nummer. Für das Eröffnen eines Bankkontos, für die Unterzeichnung eines Mietvertrages, sogar um in der Mensa essen zu können brauche ich diese Nummer. Mein Problem ist nur, dass mein Englisch miserabel ist. Mein italienisch ist zwar gut! Doch bestimmt nicht gut genug, um mich durch politische/wirtschaftliche Vokabeln durchzubeißen. Ich habe das Gefühl, dass weder Ich irgendjemanden verstehen werde, noch irgendjemand mich verstehen wird. Und ich kenne aus den deutschen Behörden die Redelust der Beamten. Was ist, wenn man von mir irgendetwas will und ich partout nicht verstehe was? & dann schickt man mich weg und dafür saß ich dann einen halben Tag in diesem Gebäude?
Des Weiteren habe ich nicht verstanden, wie und ob ich mich online ankündigen soll. Ich klicke dann auf "Codice fiscale" und auf einmal sind da 10 Unterrubriken und ich google jedes Wort, doch verstehe trotzdem nicht die Zusammenhänge. Beamtenitalienisch ist eine schwere Sache und ich werde heute garantiert noch viele Vokabeln aufschreiben, die ich lernen muss.

Wieso schreibe ich eigentlich so einen Unsinn, denn dann doch niemand interessiert? Ich bin schrecklich nervös.

Gestern war der Abschied von meinem Opa und ich bin total fertig. Ich weiß, dass mein Opa in nächster Zeit nicht sterben wird oder so, aber meine Tränen konnte ich trotzdem nicht zurückhalten. Zwar ist sein Kalender voller Termine und er ist nicht gerade alleine, er hat doch seine Freundin und seinen Suboteo-Verein, die Sparkasse und alle Menschen, die in seinem Haus da leben, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass er seit dem Tod meines Vaters irgendwie einsam ist. Und ich bin die einzige von uns, die sich um ihn kümmert. Während ich jede Woche da bin, um zu schauen, wie es ihm geht, haben meine beiden Brüder eher weniger das Bedürfnis so oft da hin zu gehen. Alle 3 Wochen besagt die Regel, doch trotzdem gehen sie immer seltener zu ihm, obwohl es einmal im Monat Taschengeld gibt. Ich will ihn nicht alleine lassen und ich glaube der Abschied von ihm ist der schwierigste. Meine Eltern und Lisa kommen ja schon im Oktober mich besuchen und es ist auch ganz schön, meine Brüder mal nicht zu sehen. Aber meinen Opa sehe ich im Dezember erst wieder und das bricht mir das Herz.


Langsam wird es Ernst. In exakt 25 Stunden geht die Reise los.

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