LA FINE DEL MONDO
Es regnet und alle Italiener warten. Es donnert und es ist 16°C warm. Das Ende der Welt? Offensichtlich.
Für mich als Deutsche? Ein ganz normaler Tag. Als Ich heute morgen gelesen habe, dass die Universität aufgrund des starken Unwetters ausfällt, ist mir die Kinnlade heruntergeklappt.
Leute? Ragazzi? Es ist nur ein bisschen Regen!
Für die Italiener nicht. Die fingen ohnehin schon vor 2 Wochen an in Wintermänteln herumzulaufen. Ich möchte nebenbei erwähnen, dass es hier durchschnittlich um die 20°C hat und die Sonne scheint. In DE würde man bei solch einem Wetter in Hotpants herumlaufen.
Die Welcomeweek und die Codice Fiscale - Hölle.
Wir schreiben Montag den 22.09.2014, es ist 8:30 Morgens. Ich sitze neben 2 französischen Mädchen in einer imposanten Aula. Der Aula Magna.
Der Eindruck dieses riesigen Saales hat nicht nur mich verblüfft! Er war gigantisch, mit kleinen Logen. Der mussolinische Baustil fand sich auch hier wieder. Was allerdings weniger hoch erhaben schien, war die Organisation der ganzen Prozedur. Ich weiß nicht, was los war. Aber erst um 11 Uhr fing die Veranstaltung an, was sich als äußerst schwierig erwies, denn um 13 Uhr war schon die nächste Veranstaltung (zu der Ich nicht hinmusste. Ich hatte schon eine Wohnung und wollte mir keinen Vortrag dazu anhören müssen). Es folgten Stunden von Reden. Langweiligen Reden und letztendlich schlief eine meiner neuen französischen Freundinnen quasi auf meiner Schulter ein. Die andere zeigte mir Bilder von süßen Huskywelpen. War diese Veranstaltung also nötig? Nein. & das ist mein voller Ernst. Ich konnte ja wenigstens noch dem folgen, was die wichtigen Redner sagten, aber all das Gesagte, stand schon in unserem ERASMUS-Guide beschrieben. Wichtigtuereien, wie:
"Mit 1200 ERASMUS-Studenten, die meist besuchteste Uni Italiens",
"Am meisten Spanische Studenten",
"Eine der ältesten Unis Europas",
ETC. Und wie gesagt, ich konnte es noch verstehen, weil mein Italienisch nicht gerade sehr schlecht ist. Doch während ich mich umsah, sah ich so viele ratlose Gesichter, die verzweifelt versuchten dessen zu folgen, was gesagt wurde, oder gleich nach den ersten 5 Min abgeschaltet haben und Angrybirds gezockt haben. Ich würde zusammenfassend sagen, dass diese Veranstaltung eher eine Höflichkeitssache war, als eine Informationspresentation. Man konnte sie also gut Verschlafen. Wenn man allerdings offen ist und nicht genervt davon ist, dass man erst 2 einhalb Stunden warten muss, kann man einiges über die Organisationen der Universität lernen, wie zB der ESN. Die Veranstaltungen dieser Organisation würde ich ein jedem ERASMUS-Student ans Herz legen. Einfach mal die FB-Seite liken und dann: AB GEHT DIE POST. In dem Angebot stehen unter anderem günstige Fahrten nach Venedig, Neapel oder anderen wichtigen Italienischen Städten an, Pickniks an der Villa Borghese und die besten Partys in Rom. Und das Nachtleben Roms ist alles andere als langweilig. Eine sehr gute Möglichkeit, um Freundschaften zu schließen und um gegen Langeweile zu kämpfen.
Wir schreiben Dienstag dem 23.09.2014, es ist 9:30 Morgens. Meine französischen Freundinnen und ich stehen vor unserer Fakultät herum. Wir warten. Wieder. Es erwartet uns eine Führung durch die Fakultät. Mich interessieren eigentlich nur die Büchereien, das Museum (Ja, jede Fakultät besitzt ihr eigenes Museum - UNGLAUBLICH) und der 2. Stock - Hier werden die Hörsäle für die Sektionen STORIA MODERNA e CONTEMPORANEA beherbergt. Außerdem befindet sich hier auch mein helfendes ufficio. Ich habe bestimmt 3 Stunden darin verbracht. Aber nicht, weil ich so viel organisatorisches zu klären hatte. Die Organisation wurde meist durch heiteres Gelaber unterbrochen. Die Frauen dort haben mir sehr geholfen, mich zurecht zu finden und meinen Stundenplan zu erstellen. Nach der Führung, die mir 1 einhalb h Verspätung begonnen hat, fand ein kleines internationales Café statt. Ich habe mich vollgefressen mit allen möglichen Köstlichkeiten. Mein Tag wurde versüßt, was auch sehr wichtig war, denn mich erwartete der Horror persönlich.
Die Agenzia delle Entrate veranstaltete eine Aktion, wo man sich seinen Codice Fiscale an der Uni holen konnte. Ich brauchte ihn sehr dringend, da mein Vermieter gerne die Mietverträge abgeben wollte und meine Steuernummer die einzige war, die noch fehlte. Also bin ich Dienstag nach dem großen Fressen direkt hingegangen. Es hatte 30°C und die Sonne schien durch das Dach auf dem Vorhof durchzuscheinen. Ich wartete 3 Stunden. Ich stand 3 Stunden! Und die Schlange bewegte sich NICHT. Ich war schließlich nur am Anfang der Schlange, weil ich mich vorgedrängelt habe. Leute - überlegt mal. Die Schlange bewegte sich nicht. In diesen 3 Stunden, wurden 10 von 200 Wartenden Studenten abgearbeitet und ich kam nur so weit nach vorne, weil ich mich gekonnt vorgedrängelt habe.
Was haben die für ein Problem?
Diese Frage ist grammatikalisch nicht korrekt und sollte nicht im Plural, sondern im Singular gebildet werden.
Was hatte der EINZELNE MENSCH für ein Problem?
- Er war alleine.
Einer hat ich an diesem Tag um 200 Studenten gekümmert. Nicht 2, nicht 3 - ein Einzelner. Dazu kamen Probleme wie: Der Drucker funktioniert nicht, das Internet funktioniert nicht und als ich dann nach 3 Stunden warten in der Mittagshitze endlich drankommen sollte, war ... Schluss. Ich stand vorne und nun beratschlagte man uns, in einen anderen Raum zu gehen, wo es besseres Internet gäbe und eine neue Schlange zu bilden.
Ich bin ausgerastet. Man kann sich vorstellen, wie mein Kopf (der ohnehin schon rot vom Sonnenbrand war) quasi Feuer gefangen hat. Ich bin innerlich zu einer Medusa geworden, die ein jeden zu Stein hätte verwandeln können. Stein. Und Ich würde jeden Stein einzeln mit meinen Händen zertrümmern. Ein schmerzhafter Tod. Ich konnte mich nicht rühren vor Wut und als alle losrannten, um der Erste in der nächsten Schlange zu sein, wäre ich beinahe in Tränen ausgebrochen. Ich wollte doch einfach nur diese bekackte Steuernummer haben.
Der Mitarbeiter vor mich lächelt mich an und entschuldigt sich für die technischen Schwierigkeiten. Was soll's. Ich biete ihm meine Hilfe an und trage sein Papier zum nächsten Raum, wo alle Studenten sich schon brav in eine Reihenfolge gesetzt haben. Ich blicke den alten Mann vor mir mit meinen blauen Augen an und starre ihm direkt in seine müden braunen Augen. Er lächelt mitfühlend und sagt mir, ich sei die 1.
Meine Miene erheitert sich - welch frohlocken.
Vielleicht ist es doch etwas Gutes, gläubig zu sein. Der Mann stellte mir meinen Codice Fiscale aus und ich bin so schnell wie möglich nach Hause gerannt. Die Uni will ich in den nächsten Tagen erstmal nicht wiedersehen.
VI AMO XOXO :*
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